«Selten so gelacht!»

Anspruchsvoller Kulturgenuss in der Mühle Maur
Von Dörte Welti

Der Ausruf von Ruth Hobi von der Kulturkommission Maur brachte es auf den Punkt: «Dichter Klang!» von Müller & Mueller am vergangenen Freitagabend war ein Erlebnis.

 

Wer schon einmal auf einer Bühne gestanden hat, egal ob für eine Vereinsrede oder als Künstler, der weiss, wie matchentscheidend der Einstieg für die Darbietung sein kann. Der Schweizer Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart bediente sich des Zufalls: Die letzte Ausgabe der «Maurmer Post» hatte auf der Front ein Porträt über die Radiomoderatorin Fabienne Wernly. Titelzeile des Textes: «Ich bin eine Entertainerin». Wer will, kann daraus einen Verleser machen: «Ich bin eine Ententrainerin». – Ein Steilpass für Müller-Drossaart, der damit die Lacher auf seiner Seite verbuchen konnte, den Bezug zum Lokalen geschaffen und einen perfekten Einstieg in seine Darbietung gefunden hatte.

Relativ harmlos war die Veranstaltung angekündigt: als «unterhaltsame Reise durch die Welt der Gedichte». Im Lauf des Abends hat Müller-Drossaart jedoch die Zuhörer auf eine Achterbahn der Gefühle mitgenommen, quer durch die Sprachregionen der Schweiz und begleitet von nicht minder emotionalen Noten des Klarinettenvirtuosen Matthias Mueller.

Man erfuhr von Herzeleid und heilender Toskana-Therapie, bekam historische Nachhilfe und man durfte Tiefsinniges geniessen von Willy Schüttelspeer (William Shakespeare). Erholsam: Müller-Drossaart ringel­natzte sich in weiten Teilen durch sein Programm.

 

Aufeinander eingespielt

Worte allein wären aber auch nicht so schön, vielleicht sogar ermüdend für das geneigte Publikum, die Mühle Maur war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein Genuss daher, dem Forchmer Klarinettisten Matthias Müller zuzuhören. Verschiedene Klarinetten kamen zum Einsatz, die mal in Konzept-Improvisation, mal nach bekannt eingängigen Noten gespielt wurden. Müller war voll des Körpereinsatzes, weinte, lachte, lebte jeden Ton, den er hervorbrachte mit – ein sportliches Spiel, kann man sagen. Genauso wie das Pingpong, das er sich mit dem Mann des Wortes lieferte. Müller & Mueller sind zweifelsohne aufeinander eingespielt.

Woher der Spass am Jonglieren mit der Sprache, fragt man sich. Hanspeter Müller-Drossaart stammt ursprüngliche aus Obwalden. «Aus Not», lautet die erstaunliche Erklärung, «Meine Mutter kam aus Nidwalden. Als ich fünf Jahre alt war, zogen wir nach Uri. Da musste man eine komplett neue Sprache lernen.» Das Ergebnis dieser frühkindlichen Spracherziehung ist, dass er heute sechs Dialekte frei sprechen kann. Dazu parliert er auf Spanisch, Italienisch, Französisch und Englisch. Und Hochdeutsch.

Ein grosser Künstler für ein kleines Publikum? «Das Format ist genau für diesen Zweck gemacht», erklärt Müller-Drossaart. Eine Autorenlesung für Fortgeschrittene also, denn der Lyriker hat seine eigenen Gedichte verfasst und ein Buch herausgegeben, «zittrigi fäkke» heisst es und ist 2015 im Verlag bildfluss erschienen. Inhalt: gefiederte geflügelte Worte aus Obwalden, leichtflügelig kommen sie daher, heiter bis wolkig, an die 90 Berglerwerke.

 

Fazit: Unmöglich, an dieser Stelle allesZwischen-den-Zeilen-Gehörte und Unter-die-Haut-Gegangene wiederzugeben. Man hates live erleben müssen. Hochachtung der Kulturkommisssion Maur, die esversteht, so anspruchsvolle Darbietungen in die Mühle Maur zu holen.

 

 

Bildunterschrift:    

Müller-Drossaart nahm die Lokalpresse auf die Schippe.                                  Bild: DörteWelti

 

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