Rubrik: News

Mit der Gitarre gegen die Januar-Starre

Neujahrskonzert mit dem EOS Guitar Quartet

Von Christoph Lehmann


Es war ein Risiko, gewiss; aber es hat sich gelohnt: Beim traditionellen Neujahrsprogramm der Kulturkommission Maur stand erstmals Gitarrenmusik auf dem Programm. Die Maurmer Kirche war anlässlich eines Neujahrskonzerts noch nie so voll.

 

Das Konzert war auf 20 Uhr angekündigt. Vereinzelte Musikliebhaber kamen aber schon um 16.00 Uhr, weil sie sichergehen wollten, noch einen Platz zu «ergattern». Kurz nach halb fünf bildete sich eine Schlange von Wartenden, die fast bis zum Eingangstor des Kirchareals reichte. Mit ein bisschen Zusammenrücken auf den Kirchenbänken gelang es schliesslich, mit ein paar Stehplätzen, allen Besuchern einen Eintritt zu ermöglichen.

Schon bei den Gesprächen vor der Veranstaltung wurde klar, dass sich unter den Konzertgängern viele Gitarristen befanden, welche sich sichtlich darüber freuten, dass «ihr» Instrument einmal im Mittelpunkt stand. Und wie! In der Kirche spielten nämlich die Herren des renommierten Eos Guitar Quartet auf. Die Musiker sind auf der ganzen Welt unterwegs und wohnen in unserer Region. Marcel Winkler vom Quartett zeigte sich über den Aufmarsch erfreut bewegt und informierte das Publikum darüber, dass das Maur­mer Konzert ihre erste Darbietung des 30-Jahre-Bühnenjubiläums sei. Applaus.

 

Vielseitiges Repertoire

Schon die ersten Saitenklänge der Gitarristen zeigten die Richtung des Konzerts an; mit der Suite aus «Carmen» von Bizet ganz eindeutig in südliche, vornehmlich lateinische Gefilde. Nach diesem Intro kamen Kompositionen des Schweizer Komponisten Jürg Kindle, welcher dem Eos Quartet sehr verbunden ist, an die Reihe. Weniger südlich, doch das sollte dann darauf die nach Egberto Gismonti benannte Fantasie «Gismontiana» wieder richten. Der Brasilianer Gismonti hat viel für die Gitarre geschrieben und entsprechend gross ist die Beziehung der Musiker zu diesem Komponisten. Weiter, jetzt in die Hitze Andalusiens, ging es kurz vor Schluss mit eigenen Arrangements aus dem Ballett «El Amor Brujo» von Manuel de Falla – zwei Sätze daraus gab es dann noch als Zugabe. Doch davor stellten die Gitarristen noch eigene Kompositionen von Marcel Ege und David Stauffer vor. Insgesamt ein buntes Kaleidoskop ihres Schaffens und ihrer Vorlieben, die ganz eindeutig einer auf Flamenco-Einflüssen beruhenden Spielweise basieren. Mit viel Spielfreude und Verve spielte sich das Quartett durch die mit einigen Schwierigkeiten – vor allem was die Intonation bei der «Gismontiana» betraf – gespickten Stücke mitten in das «entstarrte» Herz des Publikums.

 


 

 Bildunterschrift:

Virtuose Gitarristen: Das Eos Quartet zauberte südliche Klänge in die Kirche Maur.        Bild: Christoph Lehmann

zurück - Druckversion