Rubrik: News

Warten auf das erlösende UFO

Info-Abend der reformierten Kirche über Sektenbewegungen und die Apokalypse

Von Christoph Lehmann

Unter dem sinisteren Titel «Weltuntergang – die Apokalypse findet in der Schweiz statt» referierten kürzlich der Sektenexperte Georg Otto Schmid und Pfarrer René Perrot aus Ebmatingen. Die reformierte Kirche Maur hat die Apokalypse zum Thema einer Predigt-Reihe gemacht.

 

Im christlich-jüdisch-islamischen Kontext spielt die Apokalypse oder Offenbarung eine Rolle für die Transition ins himmlische göttliche Reich. Dieses Bild ist aber auch immer wieder Ausgangspunkt für selbsternannte Gurus und zwielichtige Bewegungen, um damit Leichtgläubige zu manipulieren oder in die Irre zu führen. Georg Otto Schmid ist der Sektenexperte unserer Tage und Leiter der reformierten Stelle «Relinfo» in Rüti (Pfarrer Perrot: «Dem Konsumentenschutz in religiösen Fragen»).

Im Zentrum Kreuzbühl erzählte er dem Publikum vom Aufstieg und Fall der Sonnentempler, welche Ende der 80er-Jahre aus dem Wallis heraus mit einem kollektiven Selbstmord weltweite Schlagzeilen produziert hatten. «Wenn die Weltlage schwierig ist und eine sektenähnliche Bewegung mit Problemen im Innern der Führung konfrontiert ist, lässt der Weltuntergang nicht lange auf sich warten», so Schmid. Bei den Sonnentemplern, welche sich aus den Rosenkreuz-Rittern entwickelten, sei dies nicht anders ­gewesen, so Schmid weiter. Das habe letztlich zu den damaligen schrecklichen Ereignissen mit Massensuiziden in der Schweiz, Frankreich und Kanada geführt.

 

Pfarrer Perrot als Betroffener

Pfarrer Perrot konnte dem Publikum sogar von selbst Erlebtem berichten: Ebenfalls Ende der 80er-Jahre sei er Leiter des Pfarramtes in Dozwil gewesen, im beschaulichen Kanton Thurgau. Dort wirkte gleichzeitig auch die St.-Michaels-Vereinigung mit ihrem Meister Paul Kuhn. Lange relativ unscheinbar, wie Perrot schilderte, habe diese Vereinigung plötzlich Botschaften in die Gemeindebriefkästen verteilt, die vom Weltuntergang und UFO-Landungen zur Rettung der Gläubigen sprachen.

Perrot berichtete von persönlich schwierigen Zeiten, wo er täglich, ja fast stündlich von der Presse bombardiert und von der Kantonalen Kirchenleitung alleine gelassen worden sei. Es habe damals viel Unruhe in Dozwil gegeben. Auf dem Kulminationspunkt der Krise, erinnert sich Perrot, als die UFOs zur Rettung der Gläubigen hätten landen sollen und sich eine Hundertschaft von Gaffern und ­Krawalltouristen nach Dozwil verirrt hat, hätte nicht viel gefehlt, und es wäre, so Perrot, zu sehr schwierigen Auseinandersetzungen gekommen.

Aber das UFO ist bekanntlich nicht gelandet. Wie erklärt man es sich aber, dass die Mitglieder der immer noch existierenden Vereinigung mit diesem Umstand umgehen können, wollte eine Besucherin des Anlasses wissen? Pfarrer Perrot: «Entweder sagte man den Gläubigen, dass nur die wirklich und wahrhaftig Gläubigen das UFO gesehen hätten oder aber man beruhigte die Leute damit, dass man sagte, dass sich die Ausserirdischen vor dem versammelten sensationslustigen Pöbel nicht hätten zeigen wollen.»

Erklärungen gibt es also immer.Und, wer weiss, vielleicht erhalten wir bald schon wieder eine erneuteAnkündigung von der Ankunft eines UFOs.  

 

 

Bildunterschrift

Pfarrer René Perrot war Ende der 80er Jahre Pfarrer in Dozwil, als dort Gläubige der St.Michaels-Vereinigung glaubten, ein UFO werde landen und sie erlösen.             Bild: Adobe Stock

 

 

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