Rubrik: News

«Egal ob Hummeln oder Bienen - Hauptsache, sie tun ihre Arbeit!»

Kurz vor der Obstblüte: Besuch beim Obstbauern Christian Bachofen

Von Dörte Welti

In den vergangenen Jahren warnten ­Naturschützer und Forscher vor den Folgen des Bienensterbens. Die für uns alle lebenswichtige Bestäubung von Blüten scheint gefährdet. Wir wollten wissen, wie die Situation so kurz vor der Obstblüte in Maur aussieht, und besuchten Obstbauer Christian Bachofen.

 

Wir kommen gerade zur rechten Zeit in die Plantage: Christian Bachofen hat heute Morgen seine fliegenden Helfer installiert: Hummelvölker. Jetzt öffnet er die Ausgänge der Styroporboxen und es dauert nur wenige Momente, bis die erste Hummel den Weg nach draus­sen findet und beginnt, das Terrain zu erkunden. «Bienen fliegen erst ab 10, 12 Grad Wärme. Wenn aber die Obstblüte dank ausreichender Sonneneinstrahlung schon vorher beginnt, verpassen die Bienen einen Teil der Obstblüte», erklärt Bachofen.

 

Nasskalter Frühling als Problem

Vor fünf Jahren hat Christian Bachofen begonnen, sich zusätzliche Hilfe durch Hummeln zu holen. Aber nicht weil es ein Bienensterben oder zu wenig Bienen per se gegeben hätte, sondern weil die Temperaturschwankungen die Bestäubung durch Bienen unzuverlässig machten. «Ein nasskalter Frühling ist problematisch», erklärt der Obstbauer weiter, «und davon hatten wir ein paar in den vergangenen Jahren.» Bachofen hat Apfel- und Birnbäume auf dem Areal stehen sowie Kirschen, Zwetschgen und Quitten, und Erdbeeren im Hochbeet und im Freiland. Bei Kernobst reicht eine Bestäubung von nur 5 Prozent der Obstblüten, um am Ende des Sommers eine erfolgreiche Ernte zu haben, beim Steinobst sind es 25 Prozent. Das garantiert ihm die fleissige und robuste Hummel. Die Völker lässt er sich per Post schicken, ca 5–8 braucht es pro Hektar Bäume für das Steinobst, 3–5 für das Kernobst. 40 Völker sind auf dem Areal verteilt. Und natürlich auch Bienen, die gehören jedoch Imker Bräker, der auf diesem Weg auf einen Teil seiner Honigproduktion kommt.

 

Es herrscht ein Summen in der Luft

Seit er die Hummeln einsetzt, kann Bachofen regelmässige Erträge erzielen, das ist beruhigend in der Landwirtschaft. Und das Bienensterben an sich sei kein grosses Problem, wenn sie fachkundig betreut und gepflegt würden.

Auch gegen Kirschessigfliegen ist Bachofens Baumbestand gewappnet, es werden Netze später in der Saison ausgerollt, die verhindern, dass die fiese Fliege ihre Eier in die jungen Früchte legt. Die Luft ist inzwischen erfüllt vom Summen der emsigen Hummeln. Welche Tiere sind dem Fachmann lieber? «Es ist egal, ob es Hummeln oder Bienen sind», meint Bachofen, «hauptsache, sie tun ihre Arbeit.»

www.bachofen-obst.ch

 

 

 Bildunterschrift:

Bienenstöcke: Die Bienen fliegen erst ab 10 oder 12 Grad Wärme… manchmal sind sie deshalb etwas verspätet.                Bild: Dörte Welti

 


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