Rubrik: News

Von Zahlen und Tieren

Gemeindeversammlung Maur

von Christoph Lehmann

 

111 Stimmberechtigte verabschiedeten an der letzten Gemeindeversammlung alle Geschäfte. Im Anschluss an die gut zweistündige Veranstaltung stiessen die Anwesenden auf das Wohl der abtretenden Behördenmitglieder im Polterkeller an.

Gemeindepräsident Roland Humm eröffnete die Versammlung gut gelaunt und blumig mit Referenzen auf den angekommenen Sommer mit seiner üppigen Maurmer Pracht und, weniger romantisch, mit den damit einsetzenden Rollkommandos in unserem Naherholungsgebiet...

 

Jahresrechnung 2017

Ebenfalls üppig, mit einem Überschuss von CHF 3,8 Mio. gegenüber einem veranschlagten Defizit von CHF 0,4 Mio., ging es danach auch gleich ins erste Traktandum – und zwar in die Jahresrechnung 2017, die vom abtretenden Finanzvorstand Stephan Pahls in üblich souveräner Art präsentiert wurde. Den Anwesenden erläuterte Pahls kurz die Mehrerträge, welche hauptsächlich aus höheren Steuererträgen und einem wohl abgearbeiteten Stau von Vorjahren bei der kantonalen Steuerverwaltung resultierten. Stetig anwachsenden Aufwand gibt es hingegen im Bereich «Gesundheit» und hier insbesondere in der Pflegefinanzierung. Pahls: «Diese Entwicklung wird wohl anhalten und hat damit zu tun, dass höhere Tarife verrechnet werden, höherer externer Aufwand anfällt und die Fälle im Pflegezentrum Forch aufwendiger sind.»

Der Cashflow erreichte in der letzten Rechnung CHF 12,4 Mio., was deutlich über der behördlich gewünschten Zielgrösse von CHF 7–8 Mio. jährlich liegt und auch dazu führt, dass die Finanzausgleichsabschöpfung um CHF 1,6 Mio. höher sein wird. Pahls sicherte dem Souverän zu, dass die Gemeindebehörde die Liquiditätsplanung überarbeiten und die Gebühren in den Ver- und Entsorgungsbetrieben im Rahmen der Budgetierung 2019 überprüfen werde. Eine Reduktion dieser Gebühren scheint nicht ausgeschlossen zu sein. Bei der Investitionsrechnung informierte er die Versammlung, dass im letzten Jahr mit Nettoinvestitionen von rund CHF 3,3 Mio. nur 62% der geplanten Ausgaben getätigt wurden. Die Versammlung genehmigte die Rechnung 2017 einstimmig.

Beim zweitem Traktandum, dem sogenannten «Restatement des Verwaltungsvermögens im Rahmen der Einführung des harmonisierten Rechnungsmodells HRM2» wurde es dann etwas sperrig. Der Finanzvorstand verstand es aber vorzüglich, dem Thema eine Luftigkeit beizumischen, welche der Verständlichkeit dienlich war. Zwar schloss er seine Ausführungen mit der Bemerkung «Ich hoffe, Sie haben es verstanden, sonst verstehen Sie es vielleicht, wenn es nächste Woche in der ‹Maurmer Post› steht», doch dieses Understatement wäre nicht nötig gewesen; die Leute haben verstanden. Sie haben verstanden, dass die Gemeinde Maur seit der Einführung des HRM1-Modells im Jahr 1986 immer möglichst sofort abgeschrieben hat und so in der aktuellen Bilanz nur noch ein Verwaltungsvermögen von CHF 4 Mio. bei enormen stillen Reserven ausweist. Dies, so Pahls weiter, sei ein grosser Unterschied zu den allermeisten Zürcher Gemeinden, welche weniger grosszügig abgeschrieben hätten und viel höhere Verwaltungsvermögen in der Bilanz abbildeten. Um einen künftigen Kompass zu erhalten, so Pahls und die Gemeindebehörde, sei das Verwaltungsvermögen (Strassen, Schulen, Infrastruktur der Gemeinde)  um CHF 110 Mio. aufzuwerten, um danach gemäss vorgeschriebenem HRM2-Modell linear abschreiben zu können. Wenn eine Aufwertung nicht vorgenommen werde, erklärt er dem Publikum, wäre man in der Situation, dass man das aktuelle Verwaltungsvermögen von CHF 4 Mio. nicht mehr gross abschreiben könne und somit grössere buchhalterische Überschüsse entstünden.

 

­Musikschule: Höhere Subventionen

Nach den Worten der Gemeindebehörde erlaubt es die Aufwertung des Verwaltungsvermögens innerhalb des neuen Rechnungsmodells, den Pfad der finanzpolitischen Maurmer Gepflogenheit zu folgen, eben einen Kompass zu erhalten. Das rein buchhalterische Thema – ohne einen Rappen finanzielle Auswirkung auf die Gemeinde – hat im Vorfeld der Versammlung da und dort Diskussionen erzeugt; an der Maur­mer Gemeindeversammlung blieb es aber ruhig. Der Souverän folgte dem behördlichen Antrag mit einer Gegenstimme. Danach war die Reihe an der abtretenden Schulpflegepräsidentin und Gemeinderätin Cornelia Bräker, welche über die um rund CHF 75000 besser liegende Rechnung für die Umsetzung des ICT-Konzepts an der Schule Maur und die Erhöhung der Subven­tionen für die Musikschule Maur referierte. Sie argumentierte, dass in den letzten Jahren verschiedene Erhöhungen der Elternbeiträge umgesetzt worden seien. Diese reichten aber nicht aus, um die Personal- und Infrastrukturkosten (z.B. Anschaffung von Instrumenten) ohne eine weitere massive Anhebung der Gebühren zu decken. Die Gemeindebehörde möchte mit 60% eine Defizitgarantie-Obergrenze beim Souverän abholen und erreichte dies auch, und zwar ohne Gegenstimme.

 

Selbstbewusste und präsente FDP Maur

Insgesamt verlief die ganze Versammlung ruhig undohne Wortbeiträge. Aufgefallen ist aber eine sehr präsente und starke FDP Maurmit neuen Vorstandsmitgliedern, die sich dezidiert am Schluss jedes Geschäftszu Wort meldete; wohlwollend, aber auch ganz deutlich fordernd, dass künftigvon ihr nicht einfach Ab- und Durchwinken erwartet werden solle. Votanten derPartei forderten die Gemeindebehörde auf, sich bei jedem Geschäft das Interessedes Souveräns ins Gedächtnis zu rufen. Gerade beim Geschäft «Musikschule»warnte die Partei vor einem allzu saloppen Umgang mit den öffentlichen Mittelnund scheute auch die Rede von möglichen Steuersenkungen nicht. 
Am Ende der Versammlung kam die Stunde des Roland Humm. In gekonnt witzigerWeise und ohne Lacher auf das Konto der Gewürdigten gelang es ihm, mitmenschlichem Tiefgang seine Kollegin und die Kollegen Bräker, Pahls undFrauenfelder zu würdigen und zu verabschieden. Nebenbei gelang ihm damit nochdas Kunststück, die Abtretenden dem Publikum sozusagen «aus der Schulegeplaudert» näher als jedes Wahlplakat zu bringen. Wenn Humm am Anfang blumigwar, so wurde es bei ihm am Schluss tierisch; Er verglich die Kollegen/-in mitDachs, Schaf und Alpaka. Nach der offiziellen Würdigung wurde es bei Wein undApéro im Polterkeller inoffiziell; bis in die Nacht hinein.

 

Bildunterschrift:

 

In fast allen Geschäften Einstimmigkeit an der Gemeindeversammlung Maur.  Bild: Christoph Lehmann.

 

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