Eine kritische Kurve

Freizeitvergnügen mit Risiko: Velofahren um den Greifensee

Von Dörte Welti

In der Sommerzeit ist traditionell Hochbetrieb auf dem Veloweg um den Greifensee. Fussgänger, Velofahrer, Reiter, Töfflifahrer, Inlineskater – sie alle wollen flott um den See kurven, alle in ihrem eigenen Tempo, mit ihren individuellen Platzansprüchen. Manchmal kommt es auf dem schmalen Weglein zu brenzligen Situationen.

 

An einem schönen Sommertag herrscht Hochbetrieb auf dem Veloweg um den Greifensee: Zahlreiche Inlineskater, die mit den charakteristischen Schwenkbewegungen in atemberaubender Geschwindigkeit und manchmal sogar windschattig hintereinander herfahren. Munter pedalende Velofahrer aller Altersklassen, behelmt, teilweise mit Hightechvelos ausgerüstet wie bei der Tour de Suisse. Auch gemütliche Spaziergänger flanieren hier, Buggyschieber, Familienausflügler mit Kindervelos und allem was dazugehört, kurven um den See. Dazwischen sichtet man gelegentlich auch ein Ross, an der Hand geführt,  oder sogar einen Töff, der da eigentlich nichts zu suchen hat.

Das Weglein aber ist schmal und an einigen Stellen kann es dabei auch eng werden. Besonders eine Kurve auf Maurmer Gemeindegebiet gibt hier ganz besonders zu reden. Sie befindet sich ausgangs Maur, im Übergang zu Uessikon. Hier macht der Radweg gleich zweimal einen doch recht engen Knick. Von der Stallstube aus hat man einen guten Blick darauf und ein Anwohner bestätigt, dass dort unten am Eck Aemeracherweg/Ifangweg unverhältnismässig viele Unfälle passieren würden. Manch einer habe sogar schon den Rega-Heli dort landen sehen und Ambulanzen gefilmt. Es würden Radfahrer ineinanderfahren, Inline­skater im Schulhausbach landen und Fussgänger touchiert werden. Mindestens alle zwei Wochen sei da ein Unfall, meint der Augenzeuge.

 

Hochbetrieb im spitzen Winkel

Eine Nachfrage bei der Kantonspolizei ergibt ein auf den ersten Blick jedoch kein ganz so drastisches Bild. In den vergangenen fünf Jahren wurden der Polizei gerade mal drei Unfälle ordnungsgemäss gemeldet, weil die Ambulanz zum Einsatz kam: Einer mit einem schwerverletzten Velofahrer, zwei Unfälle, die leichte Verletzungen zur Folge hatten. Im gleichen Zeitraum wurden der Kantonspolizei insgesamt 34 Unfälle – mehrheitlich als Kollisionen bezeichnet – rund um den gesamten Greifensee gemeldet, davon 16 in direkter Seenähe, also auf Abschnitten, die dem See entlangführen. Von all diesen 34 gemeldeten Unfällen seien 10 mit Schwerverletzten und 19 mit Leichtverletzten zu vermelden, Tote habe es zum guten Glück bislang keine gegeben.

 

Hohe Dunkelziffer?

Der Polizei werden allerdings nicht alle Unfälle gemeldet, hauptsächlich jene, bei welchen offizielle Organe hinzugerufen werden. Die Sanität hat Schweigepflicht, von ihr gibt es hierzu keine offiziellen Zahlen. Man darf in der Statistik insofern eine gewisse Dunkelziffer vermuten. In der von Augenzeugen als «ultragefährlich» bezeichneten Kurve gibt es vermutlich mehrfach kleinere Unfälle, welche offenbar eher glimpflich ausgehen. Auch aktive Nutzer der Strecke bestätigen gegenüber der «Maurmer Post», dass die Kurve tatsächlich etwas heikel sei.

Pikantes Detail an der Sache: Die neuralgische Stelle könnte eigentlich bereits entschärft sein. Seit einiger Zeit ist dort nämlich die Sanierung der Brücke über den Schulhausbach geplant. Als Streckenprovisorium steht dort auch seit gut einem Jahr eine Brücke aus Holz bereit, die der Zivilschutz errichtet hat und die für die Dauer der Baumassnahmen als Ersatz dienen würde. Diese Brücke steht rein theoretisch in einem guten Winkel, um die spitze Kurve zu entschärfen. Warum aber werden die Bauarbeiten nicht ausgeführt?

 

Blockierter Vollzug

Eine Nachfrage auf der Gemeindeverwaltung ergibt, dass die Gemeinde sehr wohl um die problematische Stelle weiss. Rico Kummer, Bereichsleiter Tiefbau erkärt, die geplanten Baumassnahmen würden dann auch Sicherheitsverbesserungen beinhalten: «Der Streckenabschnitt Aemeracherweg/Ifangweg befindet sich im Eigentum des Kantons. Im Kontext mit dem in erster Linie auf den Hochwasserschutz ausgerichteten Bachprojekt Schulhausbach wird die Brücke an der Verzweigung erneuert. Dabei ist mit Rücksicht auf die Velofahrer und Inline­skater eine leichte Entschärfung geplant.»

Den Bachdurchlass bei der Rellikonstrasse habe der Kanton im vergangenen Jahr trotz zwei Einsprachen realisieren können, mit der erwähnten Sanierung der Brücke über den Schulhausbach könne man derzeit aber leider nicht beginnen: «Die Gemeinde ist wegen ausstehender Landgeschäfte blockiert und kann das Bachbauvorhaben vom Uessiker Seeweg bis hinauf über den Gigerenweg noch nicht realisieren. Der Zeitpunkt der Baurealisierung ist wegen laufender Rechtsverfahren unbestimmt.» Bei den angesprochenen Landgeschäften geht es darum, dass die Bachanstossflächen ins Eigentum des Kantons wechseln sollten. «Darin blockieren zwei Grundeigentümer den Vollzug», so Kummer.

 

Markierungen anbringen

Eine Baustelle an der neuralgischen Kurve würde die Verkehrssituation also in kurzfristiger Betrachtung wohl eher verkomplizieren, könnte aber längerfristig dazu beitragen, die betreffende Stelle zu entschärfen.

Wann die Bauarbeiten beginnen, steht noch offen. Bis dahin wäre es allenfalls angezeigt, ein Hinweisschild als Warnung vor der engen Kurve aufzustellen. Oder – noch besser – auf dem Boden eine optische Trennung der Fahrbahn mit Farbe zu kennzeichnen.

Bildunterschrift:

Im rasenden Tempo um den Greifensee: Gelegentlich kommt es auch zu Unfällen.                               Bild: Dörte Welti

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