Die Unzufriedenheit ist gross

Ergebnisse der Spielplatz-Umfrage der «Maurmer Post»
Von Annette Schär

In den vergangenen Tagen haben 263 Personen unsere Online-Umfrage ausgefüllt. Die Ergebnisse zeigen eine sehr hohe Unzufriedenheit der Umfrageteilnehmer mit der Spielplatz-Situation. Und die Bereitschaft, hier zu investieren.

 

 Wie bei vielen Umfragen haben wohl auch bei dieser vor allem jene Personen teilgenommen, denen das Thema besonders am Herzen liegt. In diesem Fall waren es 263 Maurmerinnen und Maurmer, grossmehrheitlich Frauen (73,4%). Personen im Alter «30 bis 40 Jahre» und «40 bis 50 Jahre» waren am stärksten vertreten mit je rund 40 Prozent, insgesamt also 80 Prozent. In der Gesamtbevölkerung von Maur machen diese Alterssegmente allerdings nur 11 resp. 16 Prozent aus. Die Senio­ren haben sich anteilig eher schwach beteiligt an der Umfrage.

Das macht deutlich: Die Umfrage ist keinesfalls repräsentativ, man kann von ihr also nicht auf die Gesamtheit aller Maurmer oder aller Stimmbürger schliessen.

Interessant ist die Verteilung je nach Ortsteil: Am besten vertreten sind Ebmatinger mit 34,2 Prozent, danach das (eigentlich bevölkerungsstärkere) Aesch/Forch/Scheuren mit 32,3 Prozent, gefolgt von Maur (18,6 Prozent) und Binz (14,1 Prozent). Verglichen mit den tatsächlichen Bevölkerungsanteilen hat kein Ortsteil eine eklatante Über- oder Untervertretung in der Umfrage.

 

Kein passender Spielplatz

Die Frage nach der Nutzung von Spielplätzen wurde von 26,6 Prozent mit «Ja, oft» beantwortet. Fast die Hälfte (47,5 Prozent) sagten «Ja, aber nicht so häufig» und 68 Personen (25,9 Prozent) antworteten «Nein».

Die gesamthaft 193 Personen, die «Ja, aber nicht so häufig» oder «Nein» angaben, wurden nach den Gründen für die seltene oder fehlende Nutzung (siehe Abbildung 2 auf Seite 3) gefragt. Bei dieser Frage waren Mehrfachantworten möglich (was zur Folge hat, dass Prozentangaben potentiell irreführend sind). Die Beantwortung dieser Frage zeigt unter anderem Folgendes:


– Mehr als die Hälfte ist der Meinung, es habe keinen Spielplatz, der ihren Bedürfnissen entspreche (105 von 193 Personen).


– Es mangelt nicht an Wissen über Spielplätze; nur 18 Personen wählten diese Option an.


– 64 Personen von 193 gaben an, sie würden eher zu einem Spielplatz in umliegenden Gemeinden fahren.


– Ein gewisser Teil würde auch bei ­einem verbesserten Spielplatzangebot dieses wohl wenig nutzen (Anwahl der Optionen «keine Kinder», «genügend eigenes Angebot», «fehlende Zeit», «mag Spielplätze nicht»).

 

Die nachfolgende Frage – wieder an die Grundgesamtheit aller Teilnehmenden gestellt – wollte wissen, was für eine Art von Spielplatz hauptsächlich besucht werde: 23,2 Prozent sagten aus, sie würden hauptsächlich mit dem Auto zu einem Ausflugsspielplatz fahren. Je rund 30 Prozent gaben an, sie würden den Spielplatz beim Schulhaus benutzen resp. einen privaten Spielplatz in der Siedlung. 16,7 Prozent wählten die Option «Ein öffentlicher Spielplatz der Gemeinde».

 

Grosse Unzufriedenheit bei grosser Wichtigkeit des Themas

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Umfrage ist die insgesamt grosse Unzufriedenheit mit der Spielplatzsituation in der Gemeinde (siehe Abbildung 1 auf der Frontseite). Fast die Hälfte aller Umfrageteilnehmenden äusserte sich dabei deutlich und gab bei der Bewertung des Spielplatz-Angebots an «Gar nicht gut» (49,4 Prozent). Ingesamt empfinden mehr als 80 Prozent die Situation als negativ. Gerade mal 5 Personen (1,9 Prozent) gaben an, sie fänden das Angebot «Sehr gut». Schaut man sich an, was für Personen dies sind, zeigt sich das folgende Bild: eine jüngere Frau zwischen 20 und 30 aus Aesch und vier Männer zwischen 40 und 60 Jahren aus Maur. Abgesehen von der abweichenden Geschlechterverteilung zeigt sich im Antwortverhalten aber keine besondere Auffälligkeit oder Regelhaftigkeit, aus der man weitere Schlüsse ziehen könnte.

Die Unzufriedenheit kontrastiert mit einer generell hohen Wichtigkeit des Themas für die eigene Lebensqualität: 90,1 Prozent sagten aus, Spielplätze seien für ihre Lebensqualität «sehr wichtig» oder «wichtig» (61,6 Prozent «sehr wichtig», 28,5 Prozent «eher wichtig», 7,6 Prozent «nicht so wichtig», 2,3 Prozent «gar nicht wichtig»).

62,7 Prozent gaben an, sie würden ein verbessertes Spielplatzangebot in der Gemeinde «auf jeden Fall» nutzen, 27 Prozent «vermutlich schon» – insgesamt also knapp 90 Prozent. Nur 10,2 Prozent gaben an «Eher nicht» oder «Nein, ich denke nicht».

 

90 Prozent finden, man müsse investieren

Folgerichtig sind dann beim Thema Investieren/Sparen auch 90,5 Prozent der Ansicht, die Gemeinde sollte für zusätzliche Infrastruktur «investieren» oder «eher investieren» (siehe Abbildung 3). Zum Sparen tendieren nur 8,4 Prozent («eher sparen») resp. 1,1 Prozent («muss sparen»). Schaut man sich hier genauer an, wer finanziell zu Zurückhaltung rät, zeigt sich keine besonders auffällige Regelmässigkeit etwa bezüglich Alter, Geschlecht oder Ortsteil, aus der man weitere Befunde ableiten könnte.

 

«Ein Trauerspiel»

Die Teilnehmenden hatten in der Umfrage auch Gelegenheit, persönliche Anmerkungen anzufügen. Die ganze Bandbreite können wir an dieser Stelle nicht wiedergeben, in der Gesamtschau zeigt sich sehr deutlich

Unverständnis für die aktuelle Lage, Neid gegenüber anderen Gemeinden

Betonte Wichtigkeit von Spielplätzen

Eine hohe Unzufriedenheit mit der Ausstattung des Spielplatzes Breiti in Ebmatingen, er wird als absolut untauglich beurteilt (kein Schatten, falsche Geräte, fehlende Pflege)

Der Wunsch nach einem Ausbau des Spielplatzes beim Zollingerheim bei gleichzeitiger Anerkennung, dieser habe Potential

Bedauern über die Spielplätze Schifflände (Geldautomaten) resp. Migros Ebmatingen (abmontierte Geräte)

 

Der Wunsch nach einem grösseren Wald/Abenteuerspielplatz irgendwo am Wald oder am See.

 

 

Hier einige Auszüge:

 

«Schade, dass eine so tolle Gemeinde wie Maur es nicht schafft, einen attraktiven, vielbesuchten Spielplatz aufzubauen.»

 

«Der Spielplatz in Ebmatingen ist wohl der traurigste aller Spielplätze im Kanton.»

 

«Ich musste Autofahren lernen, damit ich etwas mit den Kindern unternehmen kann, ohne Auto sieht es schwierig aus.»

 

«Der Spielplatz im Zollingerheim ist in meinen Augen mit dem Minimum ausgestattet. Bei der Schifflände hab ich immer Diskussionen, weil die Kids auf die kostenpflichtigen Spielzeuge möchten...»

 

«Der Spielplatz im Zollingerheim ist ein guter Anfang und kommt dem, was man sich als Dorfkern von Aesch vorstellt, noch am nächsten.»

 

«Spielplatztechnisch ist die Gemeinde Maur ein Trauerspiel. Der demografische Wandel und die Panik vor einer Steuererhöhung scheinen auch hier alles zu blockieren.»

 

«Der Spielplatz in der Breite ist eine Farce. Lieblos, ohne Schatten, keine Parkplätze. Kein Wunder, dass er nicht genutzt wird. Wie soll man dort auch hin? Warum nicht ein öffentlicher Spielplatz auf einer anderen Fläche in Maur am See? Es ist ein Armutszeugnis für unsere Gemeinde, dass wir jeweils nach Küsnacht oder nach Zürich fahren müssen...»

 

«Wir sind vor knapp einem Jahr nach Maur gezogen und würden gerne Kontakte zu anderen Familien mit kleinen Kindern knüpfen. Ohne einen Begegnungsort ist das extrem schwierig!»

 

«Es ist schade, dass der Spielplatz in Ebmatingen so unbrauchbar ist, dass er nicht genutzt wird, was von den früheren Gegnern dieses Spielplatzes oft als Bestätigung missinterpretiert wird, dass es einen solchen gar nicht braucht! Ich finde es, gerade bezüglich der viel beschworenen Generationensolidarität, sehr traurig, dass man fürs Zollingerheim zig Millionen ausgibt, aber für die Kleinsten nicht bereit ist, Geld auszugeben. Die demografische Entwicklung wird zu einer weiteren Zunahme der älteren – stimmberechtigten – Bevölkerung führen. Es wäre schön, wenn wir in der Gemeinde etwas grosszügiger miteinander wären und mehr ans Gemeinwohl, zu dem alle in dieser Gemeinde gehören, denken würden.»

«Die kleine laute Minderheit soll sich selber organisieren und keine Steuergelder verprassen. Siehe Beispiel Spielplatz Ebmatingen.»

«Es wäre genial, wenn es in der Gemeinde einen grossen öffentlichen, Park-ähnlichen Spielplatz gäbe, mit Bänken, Grünflächen, evtl. Imbissstand, Teich usw., der als Treffpunkt für alle Generationen der Gemeinde dient. Nur so als Traumvorstellung...»

 

«Ein Waldspielplatz wie in Witikon ist doch wunderbar! Schade, dass dies so mühsam ist in dieser Gemeinde... Man hat das Gefühl, die Strategie sei, lange genug zu warten, bis die aktuellen Kinder aus dem Spielplatzalter wachsen... Und dann beginnt alles wieder von vorne...»

 

«Wir haben das Glück, an einer Sackgasse mit drei anderen Familien zu wohnen, und haben unser eigenes Spielrevier.»

 

«Viele Kinder haben heutzutage Bewegungsmangel und sind zu oft mit elektronischen Geräten am Spielen oder vor dem Fernseher. Interessante Spielplätze sind unglaublich wichtig für eine gesunde Entwicklung der Kinder und sind auch für Erwachene ein willkommener Ort der Begegnung, wo sie neue Bekanntschaften knüpfen können. Solche Orte fehlen in der Gemeinde Maur, schade.»

 

«Mit der heutigen Konsummentalität wird einfach eimal bestellt und gebaut, auch wenn es später nur eine geringe oder gar keine Verwendung gibt.»

«Unser Siedlungsspielplatz wird von anderen Kindern sehr gut besucht, sodass bis teilweise spätnachts (nach 22 Uhr) Hochbetrieb mit lautem Geschrei herrscht. Wie lange das noch so geschehen darf, wer weiss. Offenbar sind diese Eltern froh, wenn die Kinder nicht bei ihnen lärmen, sondern bei uns.»

 

«Neidisch schauen wir nach Küsnacht, Zürich etc. wo wir dann notgedrungen auch schon mal extra hinfahren. Doch trifft man dort niemanden aus der Gemeinde.»

 

«Viel zu wenig gute Spielplätze in einer solch reichen Gemeinde, dies ist überhaupt nicht nachvollziehbar.»

 

Übrigens:

Wer Einsicht in die Daten haben möchte (z.B. Excel-Datei), kann gerne bei der Redaktion «Maurmer Post» anfragen (redaktion@maurmerpost.ch), wir teilen diese gerne mit Interessierten.

 

 

Die wesentlichen Ergebnisse auf einen Blick

       263 Personen haben teilgenommen, mehr als 70 Prozent waren Frauen.

       Gut die Hälfte aller Umfrageteilnehmenden empfindet das Spielplatz-Angebot in der Gemeinde als «gar nicht gut» (49,4 Prozent). Insgesamt empfinden mehr als 80 Prozent die Situation als negativ.

       Dabei sagten rund 90 Prozent aus, Spielplätze seien für ihre Lebensqualität «sehr wichtig» oder «wichtig», ebenso viele gaben an, sie würden ein verbessertes Spielplatzangebot nutzen.

      Auch bei knapp 90 Prozent liegt der Anteilderer, die der Ansicht sind, die Gemeinde sollte für zusätzliche(Spielplatz-)Infrastruktur «investieren» oder «eher investieren».

 

Bildunterschriften:

Abbildung 1: Zufriedenheit mit dem Spielplatz-Angebot in Maur.  Bild: Annette Schär

Abbildung 2: Gründe, warum Spielplätze von 193 Teilnehmern selten oder nicht genutzt werden (Mehrfachauswahl möglich).

Abbildung 3: Sparen oder investieren in zusätzliche Infrastruktur.  Bilder: Annette Schär

 

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