Feuer frei

Farbenfroher 1.-August-Abend auf der Räbhüsli-Wiese
Von Dörte Welti

Mit grosser Kreativität begegneten die Organisatoren der abendlichen 1.-August-Feier auf der Räbhüsli-Wiese dem diesjährigen Feuerwerksverbot.

 

Vor 727 Jahren gab es noch keine Wetteraufzeichnungen. Wir wissen also nicht, ob es beim Abschluss des Bundesbriefs Anfang August 1291 genauso heiss war wie am Bundesfeiertag in diesem Jahr. Gebrannt haben jedenfalls die Burgen damals, nach der Befreiung aus der Knechtschaft. Daran sollen die Höhenfeuer erinnern, die in der Schweiz traditionell am Abend des 1. August angezündet werden. Allerdings war es in diesem Jahr dermassen heiss und seit Wochen knochentrocken, dass die Gemeinde Maur (wie auch diverse andere Gemeinden zuvor) ab 30. Juli ein Verbot für offene Feuer und das Abbrennen von Feuerwerken erlassen hatte.

Kein Grund für die Freunde des 1. August, ihr seit 18 Jahren stattfindendes Fest auf der Räbhüsli-Wiese sozusagen «ins Wasser fallen» zu lassen. Der Holzhaufen war zwar schon aufgeschichtet. Und ein rassiges Gewitter Punkt 18 Uhr, als das Fest eigentlich losgehen sollte, schürte eine leise Hoffnung, dass man eventuell doch noch zu einem Feuer kommen könnte. Aber diese verdampfte so schnell wie die Wassermassen, die vom Himmel fielen...

 

Die Blumendekoration retten

Die Besucher trudelten dem Wetter entsprechend nur spärlich ein. Viele warteten den Regenguss zuhause ab, bevor sie sich auf den Weg zur Festwiese machten. Wie schon im Jahr zuvor mussten die emsigen Helfer die schöne Blumendekoration retten, Fahnen wurden mit Bierflaschen beschwert, damit sie nicht vom Sturm verrissen werden konnten, und Plätze unter den Bäumen geräumt, falls dort der Blitz einschlagen sollte. Als sich die Wolken verzogen hatten, bot sich den nun zahlreicheren Gästen ein sagenhaftes Farbenschauspiel am Himmel. Das Fest kam langsam in Schwung, die Kids tobten, und als dann die Kinder von Bauer Berger mit einer Farbexplosion ganz eigener Art die ausgelassene Kinderschar beglückten, war die Stimmung endgültig gelöst: Holi Powder in Regenbogenfarben! Ein Puder, das man übermütig in die Luft wirft und über sich regnen lässt. Es verwandelte adrett gekleidete Mini-Maurmer in eine kunterbunte Hippiegesellschaft.

Eigentlich steht jede Farbe in der indischen Tradition des Holi, ein Frühlingsfest der Hindus, für eine bestimmte Gottheit und eine markante Begebenheit in der Geschichte Indiens. Am Abend auf der Wiese bei Bachofens bedeutet das pudrige Farbspiel einfach nur Spass und Freude.

 

Und doch noch: Lodernde Flammen!

Besonders schön war es, als kurz vor der kompletten Dunkelheit auf einmal doch die Nationalhymne ertönte und bei der Scheiterbeige zwei Flammen links und rechts des diesjährigen Festmottos (Uessikon, dargestellt im Asterix-Stil als unbeugsames gallisches Dorf) aufloderten. Kurzer Schreck. Sind die echt? Nein, aber ein kleiner Geniestreich eines Technikfans aus dem Umfeld der Festorganisation: Zum krönenden Abschluss imitierte eine gekonnt inszenierte Lichtshow ein Feuer und man hätte meinen können, der Holzhaufen stünde in Flammen.

Eine wunderschöne Idee, welche die auf einige hundert Menschen angewachsene Festgemeinde mit dem Fehlen des Feuerwerks vollends versöhnte. Ein schöner Höhepunkt dieser 1.-August-Feier.

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