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Ein taktvolles Leben

Dirigent Ralf Weikert stand schon vor den grossen Orchestern der Welt
Von Dörte Welti

150 verschiedene Opern hat er schon dirigiert. Er könne sie alle noch auswendig, sagt Ralf Weikert. Der gebürtige Österreicher wohnt seit 1984 auf der Forch.

 

Kennern ist es wohl schon aufgefallen, das gelbe schmucke Einfamilienhaus unweit vom Wassberg. Der farbige Anstrich ist mit weissen Faschen eingerahmt, die genau 11,5 Zentimeter betragen. Der Hausherr erklärts: «Das sind die Regeln für die Farbgebung der Salzburger Prachtbauten.» Salzburg ist denn auch der heimliche Favorit des heute 77-jährigen Professors Ralf Weikert – sein «Daheim», zumindest wenn es um sein Musikerleben geht.

Geboren ist Ralf Weikert in St. Florian bei Linz, einem «Kraftort» wie der Forch, ausgestattet mit einem altehrwürdigen Klosterstift und wunderschöner Orgel. Eigentlich wollte Ralf Weikert schon immer Dirigent werden. Er studierte Klavier, Geige, Komposition und Klarinette in Linz und Dirigieren in Wien. Die Mutter aber hatte als Kriegswitwe wenig Mittel, dem Sohn ein so kostspieliges Studium zu finanzieren. Also entschied sich der junge Ralf Weikert, Elektrotechnik zu lernen, machte den Toningenieur und arbeitete eine Weile in einem «anständigen» Beruf als Techniker beim österreichischen Sender ORF.

 

Stationen in ganz Europa

Das Talent aber obsiegte: Ralf Weikert begann als Korrepetitor in Salzburg, gewann schon mit 25 Jahren seinen ­ersten Preis, den Nicolai-Malko-Dirigenten-Wettbewerb in Kopenhagen. König Frederik IX. von Dänemark höchstpersönlich zeichnete den Künstler aus.

Von da gings durch Europa, Stationen gab es in Bonn und Frankfurt, er ist ständiger Dirigent an den Salzburger Festspielen, dirigierte in Bregenz, an der Wiener Staatsoper, in Berlin, München und kam 1983 als Chefdirigent an die Zürcher Oper. «Wenn der Direktor des Opernhauses Zürich ruft, geht man – egal woher – sogar zu Fuss hin», unterstreicht Weikert die Bedeutung des damaligen Rufs von Claus Helmut Drese († 2011).

In jener Zeit liess sich Weikert dann auch auf der Forch nieder, mit seiner Frau Heidi und den Zwillingssöhnen, die an der ETH doktorierten und heute selber Familien haben.

Von Zürich aus reiste Professor Weikert quer über den Globus, war Gast an der Metropolitan Opera New York, dirigierte in der Arena di Verona, gastierte in San Francisco, Seoul, und an vielen weiteren namhaften Opernhäusern der Welt.

Seit mittlerweile 55 Jahren ist der vielgereiste Dirigent mit seiner Frau verheiratet. Die Leute seien heute nicht mehr ehefähig, konstatiert er. «Wir sind nur eine sehr kurze Zeit auf der Bühne der Welt», weiss der Dirigent, «Wir müssen schauen, dass wir dabei die beste Rolle spielen.»

Das ist ihm zweifelsohne gelungen. Von den rund 350 bekannten Opern hat er 150 dirigiert, er könne sie alle noch auswendig. Körperliches Training brauche es bei dem Knochenjob nicht, eine Partitur auswendig lernen sei Sport in sich, man stehe die ganze Zeit. Ralf Weikert hält sich mit gesunder Ernährung fit.

Wenn sie zu Hause sind, geht das Ehepaar jeden Tag eine Stunde durch den Wald, Heidi Weikert spielt noch Tennis im Tennisclub Maur, aber darüber hinaus nutzt das Paar die Gemeinde nicht, «die Forch ist ein Schlafdorf», findet Weikert, man baue hier ständig an Infrastruktur ab statt auf, trotz der Zuzüger.

Jetzt geht es eh wieder los nach Salzburg, die Festspiele rufen. Hat der Herr Professor eine Meinung zum Musikwesen in unserer Gemeinde? «Es ist wunderbar, dass es die Musikschule gibt», findet er, selbst sei er aber pausenlos unterwegs und könne leider nicht partizipieren.

Die nächste grosse Aufgabe wartet, in Seoul, in einem Zeitraum von zwei Jahren wird Ralf Weikert dort den «Ring der Nibelungen» dirigieren. 16 Stunden Musik verteilt auf jeweils zwei volle Monate pro Jahr. Das ist sportlich. «Schon Karajan war ein sportlicher Dirigent», bezieht sich Ralf Weikert auf einen seiner Ziehväter und meint damit mehr die Haltung. Die Zeit der Machos, die mit Partituren warfen und Notenständer durch den Saal schleuderten, sei definitiv vorbei: «Man arbeitet in einer Partnerschaft mit dem Orchester, sie sind das Instrument des Dirigenten.»

 

 

 Bildunterschrift:

War jahrelang Chefdirigent an der Zürcher Oper: Ralf Weikert.      Bild: Dörte Welti

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