Manche mögen's heiss

Borkenkäfer: Der Schädling zeigt sich aktuell besonders gefrässig
Von Elsbeth Stucky

 

Der Borkenkäfer hat derzeit ideale Bedingungen, um sich durch die Baumrinden zu fressen. Das hält die Förster auf Trab, auch in Maur. Die Lage ist angespannt, die zunehmende Trockenheit und Hitze schwächt die Bäume. Sie können sich gegen den Schädling nicht wehren.

 

Spuren von feinem Bohrmehl, grüne Nadeln auf dem Waldboden, die Rinde löst sich leicht vom Stamm. Das ist ein schlechtes Zeichen. So ein Baum ist nicht mehr zu retten. Diese Borkenkäfer-Art namens Buchdrucker hat im Moment ein leichtes Spiel.

Der Revierförster Urs Kunz führt durch das Waldstück Tanneten zu befallenen Stämmen. Mit roter Farbe markiert er diese. «Im Moment bin ich nie ohne Spraydose unterwegs.» Ein ernüchternder Gang – viele Bäume müssen gefällt werden. Ein Stück abgelöste Rinde offenbart das emsige Treiben der Schädlinge. Der Borkenkäfer braucht nur die Rinde, der Stamm interessiert ihn nicht.

 

Immunsystem ist geschwächt

Das trockene Wetter freut den Borkenkäfer. Es sind ideale Umstände für den kleinen, braunen Schädling. Er vermehrt sich rapide. Und die Fichte (im Volksmund Rottanne) mag er – die Weisstanne hingegen nicht. Und weil der Fichte das Wasser fehlt, ist das «Immunsystem» bei vielen Bäumen geschwächt. Normalerweise sondert die Fichte Harz ab, umhüllt und erstickt damit die Käfer. «Der Regen kürzlich drang kaum durchs Blätterdach», sagt Kunz. «Ein Tropfen auf den heissen Stein.» Und auch der Specht, ein natürlicher Feind der Käfer, wird der Schädlinge nicht mehr Herr. 

Mit Förster Kunz durch den Wald zu gehen, bedeutet auch, das Wechselspiel der Natur zu beachten. Auch als Waldbesitzer ist man in der Pflicht, aufmerksam zu sein und auf angeschlagene Fichten zu achten. Ich nehme mir das zu Herzen, was der Fachmann sagt. Um vorzubeugen, dass Baum um Baum umgetan werden muss. Im Normalfall funktioniere die Ökologie und der heimische Buchdrucker sei ein Teil davon, sagt Kunz. Und fügt an: «Es ist auch nicht möglich, die Population auf null zu senken.» Doch das Problem heuer sei, dass sich der Käfer mit drei Generatio­nen Nachkommen rapide vermehrt habe. Die Situation verschärft habe der letzte Sturm im Winter. Der Borkenkäfer liebe Bäume, die hilflos am Boden lägen, aber noch im Saft seien.

Mit der fortschreitenden Klimaveränderung, so Kunz, beginne der Sommer zwei Wochen früher und dauere zwei Wochen länger. Der Klimawandel werde sich langfristig auf die Zusammensetzung der Wälder auswirken. Eichen und Linden könnten besser mit der Wärme umgehen.

 

Dem Käfer Fallen stellen

Als Falle und Überwachungsinstrument dienen im Wald, auf Lichtungen platziert, Borkenkäferfallen. Schwarze, quadratische Kästen, mit Duftstoff bestückt, locken die Käfer in die Falle. Kunz zieht eine Schublade raus und einige Handvoll toter Käfer zeigen die Ausbeute von einigen Tagen. Alle zwei Wochen leere er die Schubladen. Auch das hilft ein wenig.

Viel Käferholz wird den Wald verlassen, ein Verkauf des geschlagenen Holzes ist im Moment allerdings nicht ratsam. Das Holz wird zu einem späteren Zeitpunkt verkauft. Wie gross die finanziellen Einbussen sind, ist im Moment nicht klar.

Wichtig sei, so Kunz, die befallenen Bäume schnell zu entrinden oder sie zu sortieren und aus dem Wald zu schaffen. «Der Kanton hat mir an der Badanstaltstrasse ein Stück Land zugesprochen. Auch wenn der Buchdrucker sich mit der Rinde begnügt, bringt er sie zu einer Zeit zum Absterben, in der die Bäume einen hohen Wassergehalt aufweisen.» Und was passiert dann? Der Förster zeigt auf bläuliche Verfärbungen eines zersägten Stammes – das Holz ist von einem Pilz befallen und damit nur noch als Bauholz zweiter Klasse zu verwenden.

 

Bäume fällen im Akkord

Zwei Holzerteams sind im Akkord an diesem Samstagmorgen am Bäumefällen. Das schon seit Tagen bei über 30 Grad. Die beiden Landwirte Daniel Fischer und Simon Wörlen gehen einer schweisstreibenden und nicht ungefährlichen Arbeit nach. Und Fischer sagt: «Lässt unsere Aufmerksamkeit nach, machen wir Pause, trinken viel und arbeiten einfach, so lange es geht.» Ein Fehler wäre fatal. Die beiden ausgebildeten Holzer sind gerade daran, die Fallrichtung eines Baumes zu bestimmen, und bringen die Fichte mit Seilzügen in die richtige Position. Der Baum soll ja nicht ins Maisfeld fallen oder andere Bäume mitreissen. «Lass uns etwas beiseite gehen», fordert Kunz auf, «falls etwas wegspickt.»

Und der Baumriese fällt, die Erde zittert, auch einWespennest wird aufgescheucht. Vorgestern sei dasselbe passiert und ja, es habeStiche gegeben, sagt Fischer gelassen. Und die beiden Holzer machen sich daran,den Baum zu zersägen.

 

 
Bildunterschrift:

Der Käfer frisst sich bevorzugt durch die Rinde von Fichten. Bei heissem und trockenem Wetter vermehrt er sich rasant.             Bild: Adobe Stock

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