Kunst in ihrer Komplexität

Kantonaler Werkbeitrag für den Maurmer Künstler Andreas Waldmeier
Von Christoph Lehmann

Der Maurmer Künstler Andreas Waldmeier wurde mit dem kantonalen «Werkbeitrag Bildende Kunst» ausgezeichnet.

 

In einem grossen Hangar auf dem Flugplatz Dübendorf, unweit des Airforce Center, liegen überall Flugzeugteile und technisches Gerät herum. Hier wird geklotzt. An einer Wand sind grossformatige quadratische Leinwände mit warmen Orange­tönen hingestellt. Dies ist der temporäre Arbeitsplatz des Künstlers Andreas Waldmeier, der gerade dabei ist, mit Schmirgelpapier eine kleine Fläche auf einer der Leinwände abzuschleifen. Der 36-jährige Maurmer grinst, ganz jugendlicher Spitzbub geblieben. Doch dann spricht er – ernst, bestimmt und vieles interdisziplinär miteinander in Verbindung bringend. Seine stämmige Statur verrät dabei, dass er bis vor kurzem noch Weltcup-Langläufer war – «Ich trainiere immer noch einzelne Athleten», kommentiert er, «ich verfolge diesen Sport weiterhin.»

Seit drei Jahren aber ist Waldmeier hauptsächlich passionierter Künstler, er hat ein dreijähriges Bachelor-Studium an der ZHdK hinter sich. Schon immer habe er sich für Kunst interessiert, sagt er: für das Kunst-Machen einerseits, aber auch für den Blick auf die Kunst und für die damit zusammenhängenden Prozesse – wenn etwa das Publikum das Werk betrachtet, wie die Kunst dadurch immer wieder neu entsteht, wie sich daraus auch Interaktion ergibt. Solche Themen interessieren Waldmeier; die Veränderung und der Austausch darüber.

 

Blick in neue Räume

Wie die Leinwände im Hangar. Sie werden dereinst in der Notfallabteilung des Kantonsspitals Winterthur hängen und dort nach Waldmeiers Worten eine «Balance der Ambivalenz zwischen dem realen Ringen um Tod oder Leben und transzendenten Räumen schaffen». Diese Balance zu finden, sei wichtig für ihn.

Kunst als blosses Können sei uninteressant und ermüde ihn schnell. «Man muss immer wieder Wege finden, wo man nicht kann, obwohl man kann», umschreibt er seinen Tatendrang, der ihn auch nicht etwa haltmachen lässt vor grossen Bronzeskulpturen, die er im Moment auch noch kreiert.

 

Verflechtung von Raum und Zeit

Wesensmässig kommt Waldmeier aber vom «Malerischen» her. Er schwärmt von der einzelnen Linie, die man in der Malerei, im Grunde genommen wie eine Zeitlinie, für die Entstehung des Gesamtbildes nachziehen könne. Die Verflechtung von Raum und Zeit – oder wie bei der Installation im Spital, die von der «Kunst am Bau» – reizt ihn. So eröffnet ihm die Kunst Räume, welche die Linearität der Sprache nicht abdecken kann. Deshalb findet Waldmeier es auch ausgesprochen schwierig, über die oder seine Kunst zu sprechen.

Zu reden gibt seinSchaffen aber trotzdem: Aus Hunderten von Bewerbungen hat er kürzlich einenviel beachteten kantonalen «Werkbeitrag Bildende Kunst» erhalten. Von diesemsympathischen und talentierten Maur­mer wird also noch zu hören sein.

 
Bildunterschrift:

Andreas Waldmeier interessiert sich nicht nur fürs Kunst-Machen, sondern auch für den Blick auf die Kunst.  

Bild: zVg/Christoph Lehmann

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