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Das Geheimnis um das Ebmatinger Geisterhaus

Serie: Geklingelt bei einem längst verlassenen Haus in Ebmatingen
von M.Kern

 

Drei junge Birken versperren den Weg zum versteckten Hauseingang. Das ganze Grundstück ist von Dornengestrüpp übersät. Wem gehört die seit Jahren unbewohnte Geistervilla an der Lebernstrasse 1 in Ebmatingen? Eine Spurensuche, die auch zu Einbrechern führt.

 

Wer von Zumikon her via Süessplätz eingangs Ebmatingen in der Tempo-30-Zone die Chalenstrasse entlangfährt, erspäht an der Kreuzung zur Lebernstrasse hinter wucherndem Dornengebüsch ein «Geisterhaus»: Alle Fensterläden des zweistöckigen Einfamilienhauses sind jahrein, jahraus verriegelt. Auch in der Nacht ist nie ein Licht zu sehen.

Auf Google Maps, dem amerikanischen Online-Kartendienst, findet man eine Aufnahme des unbewohnten ­Einfamilienhauses vom Juli 2013. Schon damals sind am helllichten Sommertag alle Läden zu. Vor der Garageneinfahrt ist eine Kette gespannt. Das Gras auf dem Grundstück erreicht Kniehöhe.

Heute, fast sechs Jahre später, liegt der Briefkasten (ohne Namensschild) hinter dem morschen Zaun im Schnee. Die Kette ist verschwunden. Den Weg zum Hauseingang, der von der Lebernstrasse nicht einsehbar ist, versperren drei mannshohe Birken. Dahinter macht ein dichtes Dornengestrüpp den Zugang zur Haustüre fast unmöglich. Auch bei der Klingel fehlt ein Namensschild. Im Nachbarhaus an der Lebernstrasse 3 sind auch alle Läden dicht. Wir klingeln. Niemand macht auf. Auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse scheint ebenfalls niemand zuhause zu sein.

 

Spurensuche nach Besitzern

Wem gehört dieses Geisterhaus? Wir fragen bei der Gemeinde Maur nach. Bei der Einwohnerkontrolle werden wir zum Hoch- und Tiefbauamt verwiesen, von dort höflich ans Grundbuchamt Uster. Dort kann man sein Anliegen im Internet via «Sicheres Kontaktformular» vorbringen. Sechs Tage später immer noch keine Antwort.

 

Nachbarin geht ans Telefon

Nochmals der Versuch in der Nachbarschaft. Endlich nimmt jemand das Telefon ab.

«Seit wann das Haus unbewohnt ist? Seit Jahren. Acht, neun, zehn Jahre? Vielleicht auch mehr. Ich weiss es echt nicht mehr», sagt die Nachbarin. Gebaut worden sei das Haus vor 45 Jahren. Der Erstbesitzer bewohnte das Grundstück offenbar fünf Jahre. Wegen eines Jobwechsels zügelte er in den Kanton Solothurn. Im März 1980 erwarb dann ein Arzt das Anwesen.

 

Wir rufen an in der besagten Arztpraxis, die Gattin des Mediziners meldet sich. Der Doktor, der anonym bleiben will, betreibt trotz Jahrgang 1938 noch heute eine Allgemein-Praxis in Zürich.

Es sei eine traurige Geschichte, berichtet sie. Es sei bei ihnen acht oder neunmal eingebrochen worden. Und es sei noch ein Verfahren hängig. Sobald dieser Fall geklärt sei, würden sie das Haus renovieren lassen. Dieses verlassene, verlotterte Geisterhaus soll ein Objekt der Begierde für Einbrecher sein? Schwer vorzustellen.

 

Geheimnisvoll

Der Mediendienst der Kantonspolizei Zürich lässt ausrichten, es sei in den letzten 20 Jahren nur einmal aktenkundig in diese Liegenschaft eingebrochen worden. Im Jahr 2011. Und: Ein laufendes Strafverfahren im Zusammenhang mit diesem Einbruch sei nicht bekannt.

Welche Geheimnisse ranken sich wohl sonst noch um das Haus mitten im Dornengestrüpp?

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