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Sie schlafen jetzt ganz tief ein...

Silvia Flückiger-Tinner aus Ebmatingen therapiert Menschen durch Hypnose
Von Dörte Welti


Silvia Flückiger aus Ebmatingen behandelt seit Jahren ihre Klienten durch Hypnose. Wie funktioniert das eigentlich? Wir wollten es genauer wissen.

 

Silvia Flückigers Praxis für «Ganzheitliche Therapie» liegt in Ebmatingen in einem modernen Mehrfamilienhaus. Von der Wohnung aus offenbart sich volle Sicht auf den Greifensee, ein unglaublich schönes Panorama. «Die Stimmung ist keinen Tag gleich», freut sich die Therapeutin, «ich bin sehr dankbar, hier wohnen und arbeiten zu können.»

Vor 29 Jahren zog Silvia Flückiger zusammen mit ihrem jetzigen Mann in die Gemeinde, in einer Phase, in der sich die gelernte kaufmännische Angestellte neu orientierte. «Immer schon habe ich Menschen gerne zugehört», erzählt sie, «viele Bekannte kamen zu mir, um zu reden und ihren Seelenballast abzuladen. Und ich dachte irgendwann, es wäre schön, wenn ich das in einer bezahlten Form machen könnte.» Eine Begegnung mit einer Psychotherapeutin gab dann den Ausschlag: Silvia Flückiger absolvierte eine Ausbildung zur Hypnosetherapeutin. Seit 17 Jahren bildet sie selbst Lernwillige aus.

 

Einfach mal entspannen

Hypnosetherapeuten, betont Flückiger, seien aber keine Hypnotiseure. Das, was man als Show auf einer Bühne zu sehen bekomme, habe nichts mit dem zu tun, was sie in einer Hypnosetherapie mache.

Zu Silvia Flückiger kommen Menschen mit Schmerzen oder Ängsten im Unterbewusstsein, die zu Problemen im Alltag führen. «Zahnärzte schicken mir gelegentlich Klienten, die unter einer sogenannten Dentistophobie leiden, einer Zahnarztphobie», erklärt die Therapeutin. «Ängste machen nämlich 90 Prozent der Probleme aus, mit denen Menschen zu mir kommen», erzählt Silvia Flückiger, «viele leiden vor allem unter Prüfungsangst».

Die Therapie ist eine ganzheitliche Vorgehensweise, spricht also Körper und Psyche gleichermassen an. Manche kämen auch, um einen persönlichen Veränderungsprozess in Gang zu bringen oder um einfach mal zu entspannen.

Letzteres bietet Silvia Flückiger mir unverhofft als Anschauung an – ich könne dann am besten erfahren, wie das Ganze funktioniert. Damit habe ich nicht gerechnet, bin aber sofort einverstanden. Und Frau Flückiger wechselt im weiteren Verlauf des Gesprächs zum Du: «Das Unterbewusstsein kennt die Sie-Form nicht!».

 

Die meisten kommen mit Ängsten

Jede Therapie beginnt mit einem 30-minütigen Gespräch, in dem festgelegt wird, worauf die Therapie wirken soll. Anders als beim Hypnotiseur soll man hier nicht «ausgeschaltet» werden, sondern driftet in einen natürlichen «Alpha-Zustand»: Direkt nach dem Aufwachen hat man so ein paar Sekunden, wo man nicht mehr schläft und doch noch nicht ganz im Hier und Jetzt angekommen ist. Ein passiver Wachzustand, und in diesem, erklärt Silvia Flückiger, sei die zu hypnotisierende Person dann empfänglich für Suggestion. Heisst: Man kann sich von jemandem wie einem Therapeuten – oder sich selbst – Dinge sagen lassen, von denen man möchte, dass man sie später umsetzt.

Ich lege mich auf ihr breites Bett im Behandlungsraum, das auch für Kinder in Begleitung eines Elternteils gross genug ist. Der Raum wird leicht abgedunkelt, ich schliesse die Augen, leise Musik läuft, und Silvia Flückiger beginnt mich mit Sprache zu berieseln. Anfangs führt sie mich durch einen Entspannungsprozess, dem ich sofort folgen kann. Ich bin aber auch für derlei Chancen, einfach mal loszulassen, allgemein sehr empfänglich... Dann bekomme ich noch mit, dass Silvia Flückiger mir sagt, ich solle mir keine Sorgen machen. Den Rest verschlafe ich. Und habe später keine bewusste Erinnerung mehr daran. Nach 30 Minuten zählt Silvia Flückiger von 1 bis 5, ich merke, wie die Energie in meinem Körper zurückkehrt, der Kreislauf in Gang kommt. Ich stehe auf, erfrischt, wie nach acht Stunden Schönheitsschlaf.

 

Den Weg frei machen

Was aber kann so ein halbes Stündchen Dämmerzustand für etwaige Probleme tun? «Das Unterbewusstsein ist wie eine Festplatte, wo all unsere Erfahrungen eingebrannt sind», erklärt Silvia Flückiger, «diese Prägungen kann man hervorholen, abhaken und so den Weg frei machen für eine positive Einstellung.» Der eigentliche Mechanismus, der dann nach ein paar Sitzungen einsetzen soll, sei, dass das Unterbewusstsein die eigenen positiven Gedanken als wahr annehme. Manche Klienten bekämen kleine Merksätze mit nach Hause, die sie sich immer wieder sagen sollen, um den Prozess zu unterstützen. Jeder könne also selbst etwas zur Heilung beitragen, Autosuggestion sei erlernbar und die Person, die mit Schwierigkeiten komme, könne sich selbst helfen.

Meine Frage nach der Möglichkeit, dass man sich als Patient dadurch ja auch instrumentalisieren lassen könnte, verneint Silvia Flückiger. «Ich kann meine Klienten nicht benutzen, indem ich ihnen irgendwas einrede, das sie selbst gar nicht wollen. Zum Beispiel hier aus dem Haus gehen und das nächstbeste Auto klauen oder irgend so eine absurde Geschichte.»

Mir jedenfalls ist auch nichts Sonderbares passiert in den Tagen danach. Sicher ist aber: Vertrauen muss man haben. Sonst funktioniert die Hypnosetherapie nicht.

 

 

 

Hypnosetherapie

Die Hypnose oder der mit ihr verwandte Zustand, die Trance, ist den Menschen schon seit dem Altertum bekannt. Später hat in den 1950er-Jahren insbesondere der Amerikaner Milton H. Erikson die Wirksamkeit des hypnotischen Zustands für psychotherapeutische Prozesse erforscht und weiterentwickelt.

Die Wirksamkeit von Hypnotherapie vor allem bei somatischen Krankheiten oder Angststörungen konnten Forscher mehrfach nachweisen. Bei Verfahren wie der Kernspinresonanztomographie (MRT) und der Elektroenzephalographie (EEG) zeigte sich ausserdem, dass die Hypnose die Hirnaktivität verändert und definitiv etwas anderes ist als der Wachzustand oder Schlaf.

Heute gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Hypnotherapie-Ausbildungen und Anbietern. Qualifizierte Fachleute sind in der GHypS, Gesellschaft für klinische Hypnose Schweiz, zusammengeschlossen: www.hypnos.ch oder in der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Hypnose www.smsh.ch.

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