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Miis Muur, diis Muur

Die Ortsteile Binz und Maur waren teil einer Tv-Show im Schweizer Fernsehen
Von Dörte Welti

 

Vergangene Woche lief im Fernsehen auf SRF 1 das Format «Mini Schwiiz, dini Schwiiz». In der neuen Sendereihe, bei der jeweils fünf Schweizerinnen und Schweizer auf Tour durch ihre Region gehen, waren diesmal auch Binz und Maur Schauplatz der Sendung. Das TV-Format vermochte aber nicht zu überzeugen.

 

Das Prinzip der Sendung ist einfach: Jeder Protagonist stellt den andern seinen Ort vor und bekommt zum Schluss von seinen Mitstreitern Punkte für die Präsentation. Am Ende gewinnt einer. Die Idee ist nicht neu, mit der Vorgängersendung «Mini Beiz, dini Beiz» gab es eine ähnliche, allerdings kulinarische Tour de Suisse.

Die Sendung, die uns interessierte, hatte den Kanton Zürich zum Thema. Neben Claudia (betont lässig werden nur die Vornamen im Laufe der Sendung eingeblendet) aus Grüningen, Beat aus Richterswil sowie Peter aus Hinwil führten Zoe (die mit ganzem Namen Manuela Zoe Schnoz heisst) durch Binz und Nikolaus «Nik» (Scherer) durch Maur. Um zu gewinnen und möglichst viele Punkte für «ihren» Ort zu holen, mussten die Protagonisten sich in den drei Kategorien Freizeit, Kulinarik und Tradition etwas einfallen lassen, was die anderen Teilnehmer beeindrucken könnte.

 

Schöne Künste im Fokus

Am Montag war zum Auftakt Richterswil auf dem Programm. Am Dienstag galt es dann ernst für Zoe, die 39-jährige Künstlerin aus Binz. Mit ihren Gästen ging sie auf einen Spaziergang im Schaugarten Spross, liess Raclette bei der Milchi Weber degustieren und wandelte die Chuchi Binz in ein Kunstatelier um, wo sie mit den vier Mitstreitern malte. Von Binz als Ort sah man leider wenig bis fast nichts. Und irgendwie hatte die Locationwahl etwas von einem PR-Streifzug, der immerhin in dem Punkt gelang: Die drei angesteuerten Binzmer Gewerbe hatten eine Menge, sonst teuer zu bezahlender TV-Präsenz

Am Mittwoch folgte Nik, ein 50-jähriger Schiffsführer der Schifffahrt Greifensee, der mal zwei Jahre in Maur gelebt hat und sich als kompetent erachtete, den Ort von seiner persönlichen Seite zu präsentieren. Nik liess seine Gäste morgens auf dem Greifensee Stand-up-Paddle bei SUP Greifensee ausprobieren, vermittelte bei Christian Bachofen auf dem Obsthof die leckere Art, frisch gemosteten Apfelsaft kosten zu können und führte zuletzt die mittlerweile stets witzelnde und sich einander in den Armen liegende Truppe, die fast an ein Grüppchen auf Klassenreisli erinnerte, in das Ortsmuseum. Dort erzählte die Kuratorin der Museen Maur, Susanna Walder, wer David Herrliberger war. Am Ende der knapp 30-minütigen Sendung durften alle in der Druckwerkstatt der Burg Maur beim Setzen und Drucken mit anpacken. Die Woche klang aus mit den Besuchen in Grüningen und Hinwil.

 

Inside Maur

Die Idee der Sendung ist eine schöne. Im Prinzip machen sie beim SRF das, was wir mit der «Maurmer Post» auch tun, nämlich Menschen porträtieren, die vor Ort leben und sie ihre eigene Welt erklären lassen. Im Allgemeinen verfügen die Protagonisten aber nicht über redaktionelle Sendeerfahrung und bräuchten daher deutlich mehr Führung und Anleitung. Maur kam dank der pfiffigeren Auswahl der Locations besser weg als Binz. Nik schaffte es besser, den Spagat zwischen persönlichen Vorlieben und dem Angebot im Ort herzustellen als Zoe mit Binz.

 

Gemeinde nicht involviert

Das schlug sich auch in den Noten nieder: Maur erhielt mehr Punkte als Binz. Wir wissen nicht, ob sich Nik Tipps vom Profi geholt hat, keiner der beiden hat jedenfalls auf der Gemeinde nachgefrag, auch nicht das SRF, berichtete die stellvertretende Gemeindeschreiberin Frau Kummer auf Anfrage. Müssen die Sendeverantwortlichen und die Protagonisten wohl auch nicht, wäre aber in so einem Fall für zukünftige Protagonisten eine gute Idee, denn auf der Gemeinde bestünde allerlei Know-how, was sich für eine TV-Präsenz eignen könnte und was nicht.

Das Ganze wäre im Grunde unter herzig und nett gemeint abzubuchen. Wäre da nicht die unsäglich übertrieben wohlwollende und schnoddrige Stimme aus dem Off, die durch die Sendung führte.

Irgendwie bekam man das Gefühl, es sei alles eine Vorführung. Eine, die eher das, was man da sieht, diminuiert. Dafür können die zwei Pro­tagonisten nichts, geholfen hat es ihnen aber in keinster Weise.

 

Binz blieb ohne Profil

Fazit: Die im Herbst gedrehten Bilder haben Maur von einer schönen Seite gezeigt, Binz hingegen hat kein Profil bekommen. Wer hät äch dä Sieg gholt? Der Nik mit Maur! Mit 38 von 40 möglichen Punkten, die ihm seine Gäste gegeben haben. Wers verpasst hat: Die Sendung kann man in der Mediathek des SRF nachträglich anschauen.


Bildunterschrift


und Schiffsführer Nik präsentierte Maur.                   Bild: © SRF

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