Rubrik: News

Grosse Töne

Der Maurmer Urs Oechslin - ein spät berufener Alphornbläser
Von Christoph Lehmann

 

Der pensionierte Elektroingenieur Urs Oechslin hat seine Liebe zum Alphorn erst vor Kurzem, mit knapp 60 Jahren, entdeckt – seither hat ihn die Faszination gepackt.

 

Die Palette der Musikinstrumente ist gross; das Interesse der Allgemeinheit an Gitarre und Piano unbestritten. Es gibt aber auch Instrumente, die im Vergleich zu diesen als exotisch gelten – das Alphorn gehört dazu, wenn es auch in letzter Zeit mit dem Trend zur Folklore eindeutig an Beliebtheit zugelegt hat.

Beim Betreten des Wohnhauses von Urs Oechslin in Maur werden die ersten Fragen des neugierigen Besuchers sogleich geklärt: Ja, ein Alphorn ist gross, vielmehr lang, so um die 3,50 Meter. Und ja, es kann in drei Teile demontiert werden. Es gibt ausserdem längst nicht mehr nur Holzalphörner, sondern auch solche aus Karbon. Diese zehnteiligen Instrumente lassen sich wie ein Teleskop zusammenschieben und mit nicht einmal 1,5 kg Gewicht in einem Sack bequem rund um die Welt transportieren!

Oechslin freut dies, denn er nimmt auf diesem Weg sein Instrument in alle Welt mit und spielt es an allen möglichen Orten. Sein anderes Alphorn, aus Arvenholz, hat er selber gemacht; dieses braucht er zuhause und in der näheren Umgebung. Das Üben auf dem Instrument betreibt er bevorzugt in der Natur, beispielsweise beim Maurmer Reservoir am Waldrand – da habe es auch schon neugierige Rehe gehabt, welche zum Lauschen gekommen seien, berichtet er freudig. Im Freien komme das urchige Naturton-Instrument auch besser zum Zug als in den eigenen vier Wänden, wo das Horn zu laut sei. «Der Ausblick in die Natur ist obendrein auch noch viel schöner und vermischt sich mit dem Klang des Instruments», erzählt er weiter.

Oechslin ist ein wahrer Multiinstrumentalist und spielt von der Gitarre über Mandoline, Bouzouki, Banjo bis zum Euphonium ziemlich viele Instrumente. Im Gegensatz etwa zum Euphonium braucht man beim Alphorn weniger Luft. Nur mit Tönen der Naturtonreihe über drei Oktaven gesegnet, kann man mit ihm aber nur beschränkt Stücke spielen. «Alli mini Äntli» beispielsweise wird schon schwieriger, weil es beim Alphorn beim hohen C beginnt. Oechslin: «Die tiefen Töne sind relativ einfach, je höher es wird, desto schwieriger ist es – von den 15 möglichen Tönen schaffe ich zurzeit 12… ich bin aber daran, mich noch weiter zu steigern.»

 

Gründung einer Trioformation

Das Instrument ist rustikal einfach – keine Löcher, keine Ventile – und stellt deshalb hohe Anforderungen an die Spieltechnik des Bläsers. Es braucht langjährige Erfahrung, um mit der richtigen Körperhaltung, Atemtechnik und Lippenspannung die Töne präzis zu treffen. Bei einem Ausflug auf den Corvatsch stiess der Maurmer per Zufall auf dieses urchige Instrument. Als er nämlich sah, wie ein Alphornspieler das Karbonhorn für den Transport in der Gondel zusammenschieben und in einem kleinen Sack verstauen konnte, war es um den praktisch veranlagten Ingenieur geschehen. Er meldete sich für Kurse und Alphorn-Weekends an und ist inzwischen mit dem Instrument so verbunden, dass er sich mit zwei anderen Musikern zu einem Trio zusammengeschlossen hat, das man für Anlässe buchen kann. «Das Alphorn bereitet eigentlich allen Leuten grosse Freude, und im Trio konnten wir damit schon bei den ganz unterschiedlichsten Anlässen eindrucksvolle Wirkung erzeugen». Achten Sie beim Spazieren im Maurmer Wald also auf Alphorntöne – vielleicht ist es Urs Oechslin am Üben. Wenn Sie ihn fragen, stellt er Ihnen sein Instrument sicher gerne vor; weitere Infos unter alphorntrio.ukw@gmail.com

 


Bildunterschrift:

Urs Oechslin mit seinem 1,4 kg schweren und zerlegbaren Karbon-Alphorn – er kann es überallhin mitnehmen und spielen.                  Bild: zVg

 

 

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