Rubrik: News

Leben mit dem Fluglärm

Podiumsdiskussion des Verein Flugschneise Süd - Nein
Von Dörte Welti

 

Vergangenen Montag lud der Verein Flugschneise Süd – Nein (VFSN) anlässlich seiner Generalversammlung zu einem Podium ein, das für alle Interessierten öffentlich war.

 

Der kurze Abend reichte naturgemäss nicht aus, um die vielen umstrittenen Aspekte erschöpfend zu erörtern: Der Flughafen Zürich, seine Entwicklung und allfällige Auswirkungen auf unterschiedliche Anspruchsgruppen in puncto Lärm und Umwelt geben seit Längerem zu diskutieren.

Auf Einladung des VFSN trafen sich am vergangenen Montag Vertreter von Pro und Contra auf einem Podium. Auf der Seite der Kritiker waren dies Jürg Eberhard, Gemeindepräsident von Zumikon und Präsident des «Fluglärmforums Süd» sowie SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf, die als Stadträtin von Kloten auch Co-Präsidentin der «Koalition Luftverkehr Umwelt und Gesundheit» und Präsidentin des «Dachverbandes Fluglärmschutz» ist.

 Für ein Wachstum des Flughafens brachten SVP-Nationalrat Max Binder, Präsident von «Pro Flughafen», und Christian Weiss von Skyguide ihre Argumente ein. Die Moderation führte NZZ-Redaktor Michael von Ledebur.

 

Mobilität überdenken

Viele Themen kamen an diesem Abend zur Sprache: die wirtschaftlichen Interessen natürlich, weil der Flughafen Zürich auch Arbeitgeber ist und für Wachstum in der Region sorgt; die internationale Bedeutung des Flughafens Kloten, der inzwischen von verschiedenen Fluggesellschaften als sogenannter Hub genutzt wird, also als Dreh- und Umsteigekreuz für Stop-over-Flüge. Und dabei auch die Frage, ob die Swiss als ausländische Fluggesellschaft hierzulande übhaupt so viel Einfluss auf Flugbewegungen haben soll und darf.

Zu reden gaben schliesslich auch die schädlichen Emissionen des Flugverkehrs, also nicht nur CO2 und Kerosin, sondern auch der Lärm, der bei Starts und Landungen entsteht und beispielsweise mit einem gekröpften Nordanflug minimiert werden könnte. Aufs Tapet kamen aber nicht zuletzt auch ganz grundsätzliche, bedenkenswerte Fragen: Ob Zürich nicht vielleicht ein Zeichen weltweit setzen könnte mit einem verordneten Wachstumsstopp.

Mit rund 150 Zuhörern – unter denen auch ein paar wenige Maurmer waren – haben gemessen an den gebietsmässig vom Fluglärm betroffenen Einwohnern des Kantons Zürich relativ wenige die Chance genutzt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzten. Offenbar trifft es zu, was auch VFSN-Vereinspräsident Eduard Rosenstein in seiner Begrüssung hervorgehoben hatte: Bei dieser Thematik zeichne sich ein Abnutzungskampf ab, die Fluglärmkritiker bräuchten viel Durchhaltevermögen und einen sehr langen Atem, um stets die offiziellen Wege zu gehen und Fristen einzuhalten. Die Mitgliederzahlen des Vereins seien leicht rückläufig, erfuhr man in der anschliessenden Generalversammlung, es sei mühsam, immer wieder Unterschriften für Petitionen einzuholen.

 

Keine Lösung in Sicht

Wie man zum Thema auch steht, angesichts der diametral entgegengesetzten Interessen der Anspruchsgruppen fragte man sich als Zuhörerin auch, ob dieser Kampf nicht auch etwas unnötig Zeit, Energie und Nerven verbraucht. Wäre man nicht allenfalls besser beraten, statt den existierenden Fluglärm zu bekämpfen, sich über visionäre Mobilitätskonzepte Gedanken zu machen, in denen Zürich eine Vorreiterrolle übernehmen könnte? Denn solange (Klima-)Politik und wirtschaftliche Interessen dermassen weit auseinanderliegen, scheint es keine für alle Parteien zufriedenstellenden Lösungsansätze zu geben.


 

 Bildunterschrift:

Maur gehört auch zu den von Fluglärm belasteten Gemeinden.        Bild: Adobe Stock

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