Der Milchkontrolleur

Karl Bertschinger arbeitet nebenamtlich als Milchkontrolleur in Maur
Von Christoph Lehmann

Ex-Gemeinderat Karl Bertschinger besucht regelmässig Maurmer Viehbauern, um im Auftrag des Braunviehverbands die Qualiät der Kuhmilch zu kontrollieren.

 

Es ist 6 Uhr morgens im Stall von Werner Burkhard in der Hell. Es ist Melkzeit. Die Kühe sind noch ein bisschen benommen und stehen wackelig auf den Beinen. Werner Burkard bereitet die Melkmaschinen vor. Neben ihm sitzt Pensionär, Hobby-Imker und Ex-Gemeinderat Karl Bertschinger. Seit 2012 ist er für den Schweizerischen Braunviehverband als Milchkontrolleur tätig. Es gibt noch zwei weitere Verbände: Swissherdbook für das braune Fleckvieh und den Schweizerischen Holsteinzuchtverband für das Schwarzfleckvieh. Je nach Viehbestand sind die Landwirte in den anderen Verbänden organisiert. Ab ca. 60%-Anteil gilt ein Landwirt als dem einen oder anderen Verband zugehörig.

 

Alles wird protokolliert, analysiert

Bertschinger kontrolliert fünf Betriebe, so kommen monatlich rund zehn Stunden zusammen; jeder Betrieb wird elfmal pro Jahr kontrolliert. Das ist obligatorisch, die Kontrolle wird jeweils kurzfristig, also etwa einen halben Tag im Voraus angemeldet.

Bertschinger stellt einen Kessel und einen Messbecher bereit. Daneben zwei Plastikköfferchen mit vorbereiteten Probenfläschchen. Jedes von ihnen ist mit einer Etikette und dem Namen der Kuh aus Burkhards Stall versehen. «Die kranken oder trächtigen Kühe müssen auf dem vom Braunviehverband vorbereiteten Protokoll vermerkt werden», kommentiert der Milchkontrolleur. Denn diese Kühe werden nicht gemolken bzw. ihre Milch nicht für die Milchverarbeitung freigegeben.

Landwirt Burkhard übergibt die einzelnen Milchproben in langen Messzylindern an Bertschinger, welcher die ­Menge protokolliert und die vorbereiteten Probenfläschchen damit füllt. Danach gehen diese Proben an den Braunviehverband bzw. an das «Suisselab»-Labor, das die Milch auf den Gehalt an Fett, Eiweiss und Laktose sowie andere qualitäts- und quantitätsbestimmende Bestandteile oder Eigenschaften der Milch (z.B. Zellzahl- und Milchharnstoffgehalt) analysiert. Das hat mit Lebensmittel­kontrolle zu tun, die umfassende Analyse der Proben und die ­umgehende Rückmeldung der Resultate ermöglichen dem Viehzüchter aber auch ein optimales Herdenmanagement.

Damit zwischen Probenentnahme und Analyse im Labor die Milch nicht gerinnt, ist den Fläschchen eine Konservierungsmittel-Tablette beigefügt. «Die Milchkontrolle von Bertschinger ist aber nicht die einzige Überwachung. Als lebensmittelerzeugender Betrieb wird bei uns auch regelmässig der Milchtank auf die Einhaltung der Hygienevorschriften überprüft», fügt Burkhard hinzu.

Karl Bertschinger ist ehemaliges Mitglied der Gesundheitsbehörde der Gemeinde Maur. Er kennt sein Gebiet und kennt auch die Maurmer Landwirte. Er hat sich um diese Stelle beworben, welche damals in der «Maurmer Post» ausgeschrieben war. «Die Kontrolle ist das eine, das andere aber ist der Besuch im Stall und der Schwatz mit den Landwirten», lächelt Bertschinger und freut sich über seine Tätigkeit.

Milch trinkt Bertschinger übrigens eher wenig. Dafürgeniesse er umso mehr Milchprodukte wie Käse oder Joghurt. 

 

Bildunterschrift:

Karl Bertschinger bei der Probenentnahme. Bild: Christoph Lehmann

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