Ein Generationenwechsel zeichnet sich ab

Der Vorstand des Ortsvereins Aesch/Scheuren/Forch sucht Nachfolger
Von Annette Schär

 

Per April 2019 verlassen Präsidentin Carole Straub, Barbara Seffinga und auch Wanda Puvogel den Vorstand des Ortsvereins Aesch/Scheuren/Forch. Zwei verbleibende und langjährige Vorstandsmitglieder tragen sich ebenfalls mit dem Gedanken, gelegentlich auszutreten. Junge Leute mit frischen Ideen sollen nachrücken.

 

Im Ortsverein Aesch Scheuren Forch sind drei Austritte und weitere Abgänge zu erwarten. Das lässt aufhorchen. Befindet sich der Ortsverein denn etwa in einer gröberen Krise? Ein Besuch der «Maurmer Post» an einer Vorstandssitzung im Wettsteinhaus zeigt, dass die Antwort wohl «Nein» lautet – aber auch ein bisschen «Ja», wenn man Krise als Offenheit wertet, vom bisherigen Kurs abzuweichen –ganz nach dem allzuoft strapazierten Spruch von der «Krise als Chance»...

 

Streit ist nicht der Grund

Gegen die Krise spricht einerseits das klare Votum des Vorstands, dass man es gut miteinander habe. Streit oder Misstöne seien keinesfalls Grund für die Abgänge, die aus je unterschiedlichen Gründen erfolgen. Und so macht es auch nicht den Eindruck beim Sitzungsbesuch Anfang Januar, bei dem alle gut gelaunt sind, sich sehr offen und ungezwungen über den Zustand des Vereins äussern, bemerkenswert reflektiert auch. «Wir haben uns immer gut verstanden», betont Noch-Präsidentin Carole Straub, «und uns in unseren Stärken und Schwächen gegenseitig gut ergänzt.» Und Peter Hefti (Vizepräsident) fügt an: «Nicht nur das, wir sind als Verein momentan ja eigentlich auch recht gut aufgestellt, dank unserem vielfältigen Angebot.» Der Verein sei sehr aktiv, sagt Hefti, viele Bereiche fänden auch Zulauf und würden auf ein grosses Interesse in der Bevölkerung stossen. Der MuKi-Treff laufe momentan sehr gut, das MuKi-Turnen auch, die Schatzchammer sei jeweils sehr gut besucht und auch die Möglichkeit, über den Verein das Wettsteinhaus zu mieten oder eine Turnhalle zu belegen, werde rege genutzt.

 

Entwicklungen verpasst?

Mängel und insofern ein «Ja» anerkennt der Vorstand jedoch beim Herzstück unter den Aktivitäten des Vorstands: den Märkten, die immer sehr personalintensiv seien, aber schon länger nicht mehr so gut liefen. Wegen des nachlassenden Publikums würden manche Marktfahrer nicht mehr vorbeikommen wollen. Und bei schrumpfendem Angebot würden wiederum auch weniger Besucher kommen. An vergangenen Anlässen seien meist hauptsächlich Helfer und Vereinsmitglieder vor Ort gewesen, eigentliches Publikum fast nicht mehr.

«Die Idee, dass der Ortsverein Märkte organisiert, stammt noch aus den 1980er-Jahren, als der Verein gegründet wurde. Wir haben das stets einfach so weitergetragen, mussten aber in den letzten Jahren erkennen, dass das wohl nicht mehr mit den Bedürfnissen der Dorfbewohner übereinstimmt», erklärt Wanda Puvogel, die selbst seit sechs Jahren in Egg wohnt, aber trotzdem weiterhin im Ortsverein mitwirkte. «Den Entscheid, hier loszulassen und sich auf neue Tätigkeiten zu konzentrieren, die dem Vereinszweck entsprechen – also das Wohl der Dorfgemeinschaft zu fördern und den Kontakt und den Zusammenhalt zu stärken –, haben wir vermutlich einige Jahre zu spät gefällt.» Vielleicht sei der Fehler auch, fügt Straub an, dass viele im Vorstand halt einfach zu lange dabei gewesen seien. So habe man sich immer wahnsinnig engagiert, aber es wohl ein wenig verpasst, neue Impulse aufzunehmen.

 «Wir müssen gar nicht so selbstkritisch sein», widerspricht dann Peter Hefti, man habe nicht viel falsch gemacht. «Die Leute im Dorf haben schlicht zu wenig Interesse, sie kommen einfach kaum mehr aus ihren Häusern. Dazu besuchen viele der Gründungsmitglieder altershalber die Anlässe nicht mehr, was einen Grossteil des damaligen Publikums ausmacht. Das macht es halt schwierig für uns.»

 

Frischzellenkur

Unter diesen Vorzeichen und verbunden mit den Abgängen zeichnet sich jetzt also nicht nur ein Generationenwechsel ab, sondern auch eine eigentliche Metamorphose des Vereins. Der Vorstand sucht junge Nachfolger. Und die Bereitschaft der verbleibenden Mitglieder ist absolut da, sich von alten Vorstellungen zu lösen und sich auf Neues einzulassen. «Wer bei uns mitmacht, kann Ideen verwirklichen» – dieser Satz fällt oft an der Sitzung. Vieles sei vorhanden, auf das man aufbauen könne. Die Vereinsstruktur etwa oder das Wettsteinhaus als möglicher, aber nicht zwingender Mittelpunkt für Aktivitäten.

Veranstaltungen in anderen Ortsteilen? «Warum nicht?» Freunde, die gleich zu zweit oder zu dritt in den Verein kommen möchten? «Auf jeden Fall!» Leute, die nicht in den Vorstand kommen wollen, aber Lust hätten, einzelne Projekte umzusetzen, wie etwa eine Eltern-WhatsApp-Gruppe, ein Quartierfest oder eine «Offene Turnhalle» für verregnete Sonntagmorgen? «Unbedingt bei uns melden!» Wichtig sei einfach, dass die Leute nicht nur Ideen bringen, sondern Lust hätten, sich auch selbst aktiv zu engagieren. Fürs Präsidium jedenfalls ist mit Sandra Hunt schon eine engagierte Kandidatin in der Pipeline. Und Carole Straub fügt an: «Es muss nicht sein. Aber wenn es dem Verein hilft, kann ich sonst halt noch ein Jahr anhängen als Vizepräsidentin.»

 

 

Bildunterschrift:

Sie haben den Ortsverein die vergangenen Jahre und Jahrzehnte geprägt (v.l.n.r.): Wanda Puvogel, Arno Neuweiler, Barbara Seffinga, Carole Straub, Andreas Korduan, Peter Hefti. Im OV-Vorstand, aber fehlend auf dem Bild: Nicole Korduan.                    Bild: Annette Schär

 


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