Am Morgen die Pflicht, am Abend die Kür

Maurmer Anlässe zum 1. August
Von Christoph Lehmann & Dörte Welti

 

Der Bundesfeier-Brunch bei Familie Berger und die 1.-August-Feier auf der Räbhüsliwiese sind die beiden Anlässe zum Nationalfeiertag, die sich die Maurmer nicht entgehen lassen. Auch wenn sich von Jahr zu Jahr nichts verändert – zumindest fast nichts.

 

Morgens um 9 Uhr in der Wannwis. Die Besucher standen wie immer an vor dem Einlass zum Bergerhof. Diesmal war die Schlange viel länger als sonst. «Sonst hat sich das jeweils besser verteilt», wunderte sich Felix Berger, Hausherr und Gastgeber. Seine Familie und viele Helfer richten Jahr für Jahr den Brunch am 1. August aus.

Der Anlass war wie immer ausverkauft, es waren aber mit 760 Anmeldungen, davon 120 Kinder und viele Auswärtige, fast 10 Prozent mehr als im Vorjahr.

 

Das meiste wie im Vorjahr

Pünktlich gegen 10 Uhr begrüsste Felix Berger wie üblich die Anwesenden, wie immer spielte dann die Brass Band Maur auf und danach hielt, wie die Jahre zuvor, Gemeindepräsident Roland Humm seine Rede zum Geburtstag der Nation.

Roland Humm stellte auch dieses Jahr das «Mitenand und Fürenand» ins Zentrum seiner Ausführungen, unterschiedliche Meinungen seien jedoch ein Charakteristikum der Schweiz. Er ermahnte, dass uns schwierige Zeiten bevorstünden, fragte aber auch, ob wir nicht schon mittendrin stünden. Es gehe uns trotzdem besser, als es aussehe. Und, ebenfalls wie im Jahr zuvor, stellte Roland Humm die Frage ins ­Plenum, wie sich die europäische Nachbarschaft auf unsere Kultur und unser soziales Leben auswirke. Dann schloss er die Rede mit einem Dank an die Bergers, die ein Vorbild seien im Dienst an der Gemeinschaft, und an die Brass Band Maur, die alsdann ­traditionell zur Nationalhymne ­ansetzte.

 

Beliebte Touristenattraktion

Leider gehörte auch das zum gewohnten Bild dieser Feier: Während nur ein paar wenige Besucher mitsangen oder gar aufstanden, während «Trittst im Morgenrot daher...» erschallte, respektvoll sich etwaiger Kopfbedeckungen entledigend, hatten andere schon bei der Rede des Gemeindepräsidenten nicht recht zugehört und sprachen auch jetzt ungeniert weiter.

«Die Zeiten ändern sich», seufzte ein Ehepaar, das schon 40 Jahre in Maur lebt und gefühlt genauso lange an diesen Brunch kommt. Früher, da sei man unter sich gewesen, Besucher hätten mehr Respekt gezeigt und gewusst, warum man am 1. August zusammenkomme. Jetzt entstünde der Eindruck, dass der Bundesfeier-Brunch eine Touristenattraktion sei, an der man sich
für wenig Geld den Bauch vollschlagen ­könne. Und überhaupt würde man die älteren ­Einwohner, die man schon lange kenne, auch nicht mehr antreffen hier. Viele wüssten nicht, wie herkommen – ein Transport sei nicht organisiert.

Fazit: Der 1.-August-Brunch auf dem Bergerhof ist ein beliebter und bunter Morgen mit liebevoll und aufwändig dargebotenen Gerichten. Beim festlichen Rahmen gibt es allerdings eher wenig Abwechslung zu verzeichnen im Vergleich zum Programm der Vorjahre.

 

Maurmer unter sich

War die Bauernhof-Feier am Morgen mehr oder weniger eine Attraktion mit offiziösem Anstrich für auswärtige Erlebnissuchende, traf man sich in der Nacht auf der Rebhauswiese bei Bachofens eher «unter sich» zum stimmungsvollen Fest bei milden Temperaturen.

Die wahre 1.-August-Feier mit grossem, würdigem Feuer, dem schönsten Maurmer Cachet und vielen lauschigen Ecken befindet sich seit Jahren in den Steindrüsen. In diesem Jahr lag auf der Festwiese so viel Holz, dass das Feuer wohl das grösste weit über die Region hinaus sein müsste. Philippe Schmocker vom ­organisierenden Verein «Freunde des 1. August» wusste zu berichten, dass die Glut aus diesem Feuer jeweils noch wochen-, gar monatelang glühe (siehe dazu auch untenstehendes «Nachgefragt»).

Seinen Schätzungen zufolge waren in diesem Jahr zwischen 600 und 700 Besucher auf dem Festgelände – vornehmlich aus der Gemeinde selber.

Dem Ruf dieser Feier, immer etwas obrigkeitsaufmüpfig zu sein und mit satirischen Mottos die Behörden oder die Verwaltung auf die Schippe zu nehmen, sind die Organisatoren in diesem Jahr aber nicht gerecht geworden. Viele Besucher vermissten das sonst jeweils übliche Motto. Laut Schmocker habe sich den Organisatoren in diesem Jahr aber offenbar kein Dorfgespräch so wirklich als Thema aufgedrängt.

Die 19. Auflage dieser privaten Feier der «Freunde des 1. August» war ein Hochgenuss der besonderen Art. Viele kleine und liebevolle Details, wie die überall platzierten Sonnenblumengebinde und andere Dekorationen, zeugten einmal mehr vom besonderen Flair der Macher dieses ganz besonderen Anlasses. Die Blumengebinde konnten die Veranstalter übrigens von den Bergers und vom Morgenanlass übernehmen.

Wenn die beiden Anlässe auch ungleiche Brüder sein mögen: Man tauscht sich offenbar trotzdem untereinander aus in Maur. Ganz wie Gemeindepräsident Roland Humm in seiner Rede ja betonte: «Mitenand und fürenand».


 Bildunterschrift:

 

Gemeindepräsident Roland Humm bei seiner Ansprache.                   Bilder: Christoph Lehmann / Dörte Welti

 

Happy Birthday, Schweiz!


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